Unsere Schulschlange

Kornnatter "Hipponax"

Seit November 2009 gibt es einen attraktiven, männlichen Untermieter (3 Jahre alt) in der Biologie (N 25). Die Kornnatter wurde auf Wunsch einiger Schüler „Hipponax“ getauft und bewohnt ein geräumiges Terrarium, das, nachdem die Schlange im ersten ausdauernden Winter in der CWS unter Ess- und Verdauungsstörungen litt, zusätzlich neben einer Wärmelampe mit einem Heizkissen unter ihrer Baumrindenhöhle ausgestattet wurde. Seitdem wurde die Höhle von „Hipponax“ zum Lieblingsplatz auserkoren und nach mehrwöchiger Hungerkur im Februar auch die erste aufgetaute Frostmaus wieder verschlungen und verdaut.Im folgenden Beitrag werden einige interessante Informationen zu Schlangen im allgemeinen und anschließend zur Kornnatter gegeben.

Skelett und Zähne

Die bei Schlangen vorhandenen Knochen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Schädelknochen, Wirbel und Rippen. Beckengürtelknochen sind rudimentär, nicht vorhanden sind Schultergürtel und Brustbein.Der Schlangenschädel ist sehr beweglich konstruiert. Da die Kiefer- und Gaumenknochen nicht miteinander verwachsen, sondern nur durch Bänder verbunden und verschiebbar sind, kann das Maul sehr weit geöffnet werden. Dies ermöglicht den Tieren auch größere Beutetiere in einem Stück zu verschlingen.Die Anzahl der Wirbel ist auf rund 200 bis 435 erhöht. Jeder Wirbel, mit Ausnahme der Hals- und Schwanzwirbel, trägt ein Rippenpaar. Die Rippen sind über ein Gelenk mit den Wirbeln verbunden und enden frei.Die Zähne der Schlangen sind nicht zum Kauen bestimmt, sondern dienen nur dem Festhalten der Beute oder im Falle von Giftzähnen, der Injektion von Toxinen.Der Hauptunterschied zwischen Vipern und Nattern liegt nicht darin, ob giftig oder nicht, sondern an der Beschaffenheit ihrer Zähne. Nattern haben kleine, starre Zähne. Vipern dagegen haben im Oberkiefer viel längere Zähne, die umklappbar sind. Im inaktiven Zustand liegen diese in einer Schleimhautfalte am Gaumen. Beim Beuteschlagen können sie sich blitzschnell aufrichten und sich in den Körper der Beute bohren. Dabei gelangt das Gift von den Giftdrüsen über die röhrenförmig, hohlen Zähne in das erlegte Tier. Die Hauptzähne werden von Zeit zu Zeit abgestoßen und durch hinten stehende Reservezähne ersetzt. Das ist bei den Nattern nicht der Fall.

Sinnesorgane

Gut entwickelt ist die Aufnahme von Gerüchen (flüchtigen Stoffen) über die Nase und Duftstoffen mithilfe ihrer gespaltenen Zunge. Im Innern des Mauls führen sie die Zungenspitzen an das Jacobson-Organ, zwei kleine Vertiefungen im Gaumen, wo die Riechstoffe analysiert werden. Da die Schlangen mit den beiden Zungenspitzen unterschiedliche Düfte wahrnehmen können, können sie daraus auch räumliche Informationen gewinnen. Wegen der Rostralkerbe ist das Züngeln auch möglich ohne das Maul zu öffnen.Grubenottern besitzen zwischen Auge und Nasenloch ein Grubenorgan zur Wahrnehmung infraroter Strahlung, das Temperaturunterschiede von bis zu 0,003°C registrieren kann. Gleichwarme Beutetiere können trotz Tarnung aufgrund ihrer Wärmestrahlung aufgespürt werden.Die Augen sind ebenfalls gut entwickelt und dienen der Orientierung im Raum, allerdings ist das Sehvermögen je nach Lebensraum unterschiedlich ausgebildet. Augenlider zum Schließen der Augen fehlen den Schlangen.Das Gehör der Schlangen nimmt durch die Luft übertragene Schallwellen nur sehr schlecht bis gar nicht wahr, da kein Außenohr vorhanden ist. Sie sind jedoch fähig, mittels ihres Innenohres Erschütterungen des Bodens durch Knochenleitung zu registrieren. Voraussetzung ist, dass der Kopf auf dem Boden aufliegt. Da die linke und rechte Hälfte des Unterkiefers flexibel durch Bänder verbunden ist, können beide Hälften des Unterkiefers unabhängig voneinander in Schwingungen versetzt werden und zur Richtungswahrnehmung beitragen.

Innere Organe

Der linke Lungenflügel ist verkümmert, während sich der rechte über bis zu zwei Drittel der Körperlänge, bei einigen Seeschlangen sogar bis zum After erstrecken kann. Im hinteren Teil geht die Luftröhre in einen Luftsack über (Tracheallunge), aus dem die Schlangen z.B. beim Verschlingen der Beute ihren Sauerstoffbedarf decken können. Die Speiseröhre ist stark dehnbar. Der Magen ist langgezogen und mit muskulösen Wänden ausgestattet. Er produziert neben Verdauungsenzymen konzentrierte Salzsäure, die alles außer Chitin und Keratin (Haare, Federn, Krallen) angreifen kann.

Lebensweise

Schlangen bevorzugen eine solitäre Lebensweise und haben nur ein schwach ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie finden sich nur zu besonderen Gelegenheiten zusammen, z.B. zur Paarung, Eiablage, an Orten hoher Beutedichte. Sie erheben nur selten Revieransprüche. Viele Arten sind standorttreu.Schlangen sind fast weltweit verbreitet (zwischen 63° nördlicher und 44° südlicher Breite) und konnten die unterschiedlichsten Lebensräume erobern. Die am weitesten im Norden lebende Schlange ist die Kreuzotter, deren Verbreitungsgrenze sich in Skandinavien befindet.

Thermoregulation

Schlangen gehören zu den wechselwarmen Tieren, die nicht in der Lage sind, ihre Körpertemperatur durch Stoffwechselwärme konstant zu halten. Die Aufwärmung des Körpers ist lebensnotwendig. So kann z.B. die Verdauung erst ab einer bestimmten Temperatur ablaufen. Bei einer Außentemperatur von 1° bis 9° C werden praktisch alle Arten bewegungsunfähig. Vorteil dieser Lebensweise ist die Einsparung von Nahrungsenergie. Deshalb benötigen Schlangen vergleichsweise viel weniger Nahrung und müssen je nach Art und Größe der letzten Mahlzeit, nur alle 2-10 Tage (kleine Schlangen) bzw. alle 4-10 Wochen (größere Schlangen) erneut auf Jagd gehen.

Häutung

Schlangen wachsen nach erreichter Geschlechtsreife lebenslang weiter, ihre Haut wird jedoch nicht kontinuierlich abgeschuppt. Deshalb müssen sie sich regelmäßig komplett häuten. Um die Häutung einzuleiten, bildet sich ein weißlich, fetthaltiger Flüssigkeitsfilm zwischen der alten und der neuen Haut. Diese trübe Flüssigkeit trennt die Hautschichten allmählich und erleichtert das spätere Abstreifen. Eine bevorstehende Häutung erkennt man zunächst an der Augentrübung, nach wenigen Tagen erscheint die gesamte Schlange weißlich / grau  blass. Die Häutungsphase kann bis zu 2 Wochen dauern, die Häutungsflüssigkeit wird vom Körper resorbiert, die Trübung nimmt ab, die alte Haut trocknet und wird fest.  Die Schlange beginnt ihren Kopf an Gegenständen zu reiben bis sie aufplatzt. Die Schlange kriecht mit windenden Bewegungen durch Äste, über Rinden und durch den Bodengrund bis das Natternhemd abgestreift ist.


wissenschaftlicher Name:

Pantherophis guttatus (Elaphe guttata) 

Klasse: 

Reptilien (Reptilia)

Ordnung:

Schuppenkriechtiere (Squamata)

Unterordnung:

Schlangen (Serpentes)

Überfamilie:

Nattern- und Vipernartige

Familie:

Nattern (Colubridae)

Unterfamilie:

Land- und Baumnattern (Colubrinae)

Gattung:

Pantherophis (Kletternattern)

Vorkommen:
(Habitat)

Südosten USA, sehr anpassungsfähig,
besiedelt Sumpfgebiete, Gewässerränder, sommerfeuchte oder trockene Laubwälder, felsiges Hügelland oder sandige Kiefernwälder; Felder, Obstplantagen, Nähe von menschlichen Siedlungen, häufig in Getreidevorräten

Nahrung:

Nagetiere (Mäuse, Ratten), Jungvögel, Eier, Frösche, große Insekten

Lebenserwartung:

ca. 20 Jahre